Allgemeines über Zangen

Wie alle Handwerkzeuge sind auch Zangen dazu geschaffen, die Wirksamkeit der menschlichen Hand zu erhöhen.

Zangen sind nach dem Prinzip des zweiseitigen Hebels gebaut, der es ermöglicht, eine geringere Kraft (z. B. die Handkraft an den Zangenschenkeln) in eine größere Kraft umzuwandeln, die bei Zangen in den Greifbacken oder in der Schneide wirksam wird.

Allgemeines über Zangen: Hebelverhältnis

Die Kraft in den Backen, die beim Zusammendrücken der Schenkel eine greifartige Bewegung ausführen, vergrößert sich mit dem Übersetzungsverhältnis. Bei einer Zange, mit der große Kräfte erzeugt werden sollen, muß die Entfernung von der Mitte des Nietes bis zum Griff groß und der Abstand von Nietmitte bis zu den Greifbacken bzw. Schneiden möglichst klein sein.

Viele Zangen jedoch bezwecken weniger eine Erhöhung der Handkraft als vielmehr ein leichtes Arbeiten an schwer zugänglichen Stellen, z. B. bei der Montage von elektrischen Geräten sowie in Elektronik und Feinmechanik.

Ursprung der Zangen

Der Ursprung der Zange geht in Europa etwa auf das zweite vorchristliche Jahrtausend zurück, also auf eine Zeit, in der Menschen begannen, Eisen zu schmieden. Mit der Zange bot sich die Möglichkeit, glühendes Eisen zu fassen und beim Zuschmieden auf dem Amboss zu halten. Die Form der damals gebräuchlichen Schmiedezangen hat sich fast ohne Änderung bis auf den heutigen Tag erhalten.

Die Zahl der Zangentypen wuchs mit der Ausbreitung des Handwerks und der späteren Industrialisierung. Zur Zeit gibt es etwa 100 verschiedene gängige Zangensorten. Die Zahl von Sonderausführungen für sehr spezielle Anwendungszwecke steigt ständig. Allerdings sind solche Sonderausführungen nicht handelsüblich.

Allein in Deutschland werden jeden Monat weit über 1 Million Zangen hergestellt und davon etwa 50 % exportiert. Zu den gebräuchlichsten Zangensorten gehören zum Beispiel Seitenschneider, Kombinationszangen und Wasserpumpenzangen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:

  • Schneidenden Zangen zum Trennen oder Abkneifen (Seitenschneider, Vornschneider, Kneifzangen u. s. w.),
  • Greifzangen, Langbeckzangen, Wasserpumpenzangen und
  • kombinierten Zangen, die sowohl zum Trennen als auch zum Greifen dienen (Kombinationszangen, Storchschnabelzangen, Radiozangen u.s.w.).

Eine Zange besteht aus drei Teilen:

  • dem Griffpaar, an dem die Zange in die Hand genommen wird. Das Griffpaar soll nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet sein, so dass die Zange sicher und angenehm in der Hand liegt.
  • dem Gelenk, also dem Drehpunkt der Zange, das früher auch Gewerbe genannt wurde. Das Gelenk muss einen spielfreien und gleitenden Gang besitzen, damit die Zange mit einer Hand leicht zu öffnen und zu schließen ist.
  • dem Kopf mit den Greifbacken oder Schneiden. Die Kopfenden sollen präzise in Form geschliffen sein. Die beiden Schneidkanten müssen scharf sein und genau aufeinandertreffen, um ein "springendes" Schneiden von Drähten zu ermöglichen.

Hinsichtlich der Gelenkkonstruktion unterscheiden wir:

  • das aufgelegte Gelenk, wie bei Kneifzangen. Die beiden Zangenhälften werden - ohne ausgefräst zu sein - aufeinandergelegt und vernietet.
  • das eingelegte Gelenk, wie bei Kombinationszangen. Hier dreht sich eine Zangenhälfte um den Niet, aber in einer Ausfräsung des anderen Schenkels.
  • das durchgesteckte Gelenk, bei dem eine Zangenhälfte durch eine Aussparung in der anderen Zangenhälfte hindurchgeschoben ist. Durchgesteckte Zangen - von Wasserpumpenzangen abgesehen - erfordern einen hohen Fertigungsaufwand und erschweren den Einsatz harter und legierter Stähle. Deshalb ist ihre Bedeutung geringer als die der beiden erstgenannten Gelenkkonstruktionen.

Zangen werden aus legierten und unlegierten Werkzeugstählen geschmiedet. Für einfache Zangen werden unlegierte Werkzeugstähle mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,45 % verwendet. Höherwertige und stärker beanspruchte Zangen sind aus Materialien mit höherem Kohlenstoffgehalt und/oder Legierungselementen wie Chrom oder Vanadium hergestellt.